Zehn Gebote








Judentum: Stammes- oder Weltreligion?


Selbst wenn die ganz grosse Mehrheit etwas behauptet, so heisst das noch lange nicht, dass es auch stimmt. Die Wahrheit war zu allen Zeiten oft allzu peinlich und unangenehm und wurde auch schon in der Vergangenheit von den Mächtigen in ihrem Sinne gebeugt. Alte Lügen, Halbwahrheiten, Verfälschungen und Fehlinterpretationen werden auch durch die vergangenen Jahrhunderte nicht heiliger. Die Wahrheit sollte generell hinterfragt werden! Lassen sie darum ihren Geist und Verstand selbst entscheiden, was sie annehmen oder verneinen.

Ist das Judentum tatsächlich eine Weltreligion wie alle Welt behauptet, oder lediglich eine weltweit bekannte Stammesbotschaft? Diese fundamentale Frage soll hier kritisch und möglichst frei von jeglicher Indoktrination und religiösem Eifer, dafür mit klarer Logik analysiert werden.
Wo liegt der Trennstrich zwischen einer globalen Verkündigung und der begrenzten, ja privilegierten Botschaft für den Stamm und sein Urvolk? Anhand welcher Kriterien und Charakteristiken soll und darf zwischen der Stammes- oder der Weltreligion unterschieden werden?

Im Religionsunterricht und in Publikationen wird das Judentum generell als Weltreligion auf Augenhöhe mit dem Christentum, Islam, Buddhismus und dem Hinduismus dargestellt. Es macht den Anschein, niemand wage, diese in meinen Augen falsche Einstufung, ernsthaft zu hinterfragen. Jede kritische Analyse des Judentums scheint verpönt. Nicht zuletzt dürfte auch die unterschwellige Angst mitschwingen, bei einer abweichenden Meinung sofort mit dem Stempel des Antisemiten versehen zu werden. Aber wenn wir zur hintergründigen Wahrheit vorstossen wollen, dann muss der Wahrheit ins Angesicht geschaut werden, so wie sie ist. Die im Alten Testament aufgezeichneten Geschichtsberichte, Fakten und Tatsachen lassen sich beim besten Willen nicht schönreden. Das Alte Testament beruht auf mündlichen Geschichten, Mythen und Sagen, deren älteste Teile bereits vor rund zweitausend Jahren vor unserer Zeitrechnung niedergeschrieben wurden. Aber wirklich niemand weiss, wie alt diese ursprünglich nur mündlich überlieferten Geschichten tatsächlich sind. Um wie viele Jahrhunderte oder Jahrtausende müsste das Rad der Zeit nochmals zurückgedreht werden, um zum Ursprung dieser Mythen und Sagen zu gelangen? Nur eines ist gewiss. Das Alte Testament berichtet die erlebte Historie verschiedener Völker aus dem Orient, sowie Prophezeiungen von arabischen Wüstenstämmen, bei denen auch im 21. Jahrhundert, der Stamm und die Sippe über allem stehen.

Als Einstieg in dieses heikle Thema diene uns die interessante Analyse und gelungene Beschreibung der Stammes- und Volksreligion durch den Theologen Georg Schmid aus seinem Buch "Zwischen Wahn und Sinn" ISBN 3-545-25095-4 S. 48. Prof. Schmid schreibt: "In den kollektiven Wahrnehmungen des Festes erfährt der stammes- und volksreligiöse archaische Mensch, woher und wohin sich diese Welt als ganze, das Leben des Volkes und des Stammes und sein Leben als Einzelner bewegt. Diese kollektive Wahrnehmung des umfassend Sinnvollen stellt sich im Fest der ungebrochenen Gemeinschaft fast automatisch ein. Voraussetzung für das persönliche Eintauchen ins kollektive Erleben ist nur die Bereitschaft des Einzelnen, sich selbst ins Ritual einzubringen, ohne Vorbehalt mitzufeiern, und sich auf der Woge der Feststimmung und durch die suggestive Faszination des Rituals in die gemeinsame Erfahrung des letztlich Sinnvollen tragen zu lassen."

Diese Beschreibung bringt es auf den Punkt. Die archaische Stammesreligion beruht auf der kollektiven Wahrnehmung und der gemeinsamen Feier der Feste. Der Einzelne hat die Religion nicht zu hinterfragen, sondern sich vorbehaltlos ins Kollektiv einzubringen. Alle Rituale und Dogmen sind so zu akzeptieren, wie sie nun mal sind. Die festliche Stimmung soll durch keine Disharmonie gestört werden. Das Erleben der Gruppe, das Wohl des Stammes steht eindeutig über der Wahrheitssuche des Einzelnen.

Im Judentum erkennen wir diese Geisteshaltung. Nicht weniger als 613 Gebote werden vom strenggläubigen Juden vorbehaltlos befolgt, um die Gesetze seiner Glaubensgemeinschaft einzuhalten. Um einen gottgefälligen Weg zu beschreiten, nimmt er diese Vorschriften klaglos in Kauf und befolgt sie alle ohne Murren. Darunter gibt es ganz grosse Gebote wie im 3 Mose 19, 18.: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." Aber auch Lappalien, die für Aussenstehende nicht nachvollziehbar sind, wie beispielsweise die äusserst rigiden Essensvorschriften. Aber gerade in der Befolgung dieser, für Andersgläubige widersinnigen Nebengebote, die nur seinem eigenen Stamm bekannt und heilig sind, findet der Stammesgläubige seine ureigene Identifikation und Eingliederung in die Sippe. Anstatt sich über die vielen Vorschriften zu ärgern und über die beschwerlichen Gebote und Verbote zu jammern, die ihn in seiner Entfaltung behindern und gegenüber den andern als Aussenseiter brandmarken, schweissen ihn diese Gebote, die im eigentlichen Sinne des Wortes durchaus Schikanen sind, zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammen. Es ist ein bekanntes, soziales Phänomen: eine Truppe, die unter einem sadistischen Kommandanten leidet, schweisst sich zusammen, da sie eine Schicksalsgemeinschaft bildet. Wildfremde Menschen halten fest zueinander, wenn ein böses Schicksal sie gemeinsam trifft. Die praktizierten Kulte können noch so unsinnig und die Dogmen noch so töricht sein, sie vereinigen trotzdem diejenigen, die sich ihnen unterwerfen und an sie glauben. Die Gemeinschaft des Stammes rangiert vor der Botschaft der Ethik! Selbst Gott kann parteiisch sein. Solange er für den Stamm einsteht, geht alles in Ordnung. Sollte er aber nicht mehr für die Volksgemeinschaft eintreten, so würde er verteufelt. Diese Aussage ist keineswegs überspitzt formuliert, sie wird im Alten Testament vielfach belegt.

Bereits sind einige Charakteristiken dargestellt, die eine Stammesreligion definieren. Sicherlich gibt es auch noch andere Kriterien, die für die Stammesreligion von Bedeutung sind. Die Botschaft des Stammes ist ursprünglich immer exklusiv für die eigenen Glaubensbrüder bestimmt gewesen. Ihre Kraft, die Gebete, die Beschwörungen und Erkenntnisse sollten Aussenstehenden nicht zugänglich sein. Darum mussten, um ein Beispiel aus unserer eigenen europäischen Kultur zu geben, die keltische Priesterschaft und auch die Richter, die hoch geachteten Druiden sämtliches Wissen auswendig lernen. Das Studium eines Druiden dauerte zwölf Jahre lang. Absolut nichts durfte niedergeschrieben werden, obwohl sie die Runenschrift durchaus kannten und demzufolge keine Analphabeten waren. Das Wort war bei den Druiden heilig. Das geheime Wissen sollte auf keinen Fall in unberufene Hände gelangen, da es seine Entweihung bedeutet hätte. Die Schrift diente den Kelten und Germanen lediglich zur Verzierung von Schmuck, Waffen und Gebrauchsgegenständen.

Darum wissen wir heutzutage, so gut wie nichts mehr von den tatsächlichen ethischen Vorstellungen unserer nord- und westeuropäischen Vorfahren. Die religiösen Überzeugungen starben mit dem Untergang des Stammes, sei es durch dessen Eroberung oder Vermischung, mit den ihm zivilisatorisch überlegenen Kulturen. Mit der Einführung des Christentums unter der Herrschaft Roms wurden die keltischen und germanischen Stammesreligionen, aber auch die etruskische Kultur Italiens unwiderruflich ausgelöscht. Mit grosser Wahrscheinlichkeit geschah dies zu unserem Vorteil und zum eigenen Seelenfrieden, dass wir Europäer diesen alten Ballast abwerfen konnten. Überholtes Wissen und archaische Wertvorstellungen beeinträchtigen nicht mehr unsere Gedankenwelt. Die grausam brutalen keltischen Menschenopfer müssen auch keinesfalls reaktiviert werden.

Andererseits gilt es einzugestehen; nicht alles ist Licht, was uns die neue Botschaft brachte. Die Stellung und die Freiheit der keltischen und germanischen Frau wurden durch das Christentum in jeder Hinsicht beschnitten und eingeschränkt. Der ethische Wert der Europäerin wurde rücksichtslos und im Namen Gottes mit grosser Gewissenhaftigkeit während rund 1500 Jahren auf die Wertvorstellungen arabischer Wüstenvölker zurückbuchstabiert. In Europa wurden alle Stammesreligionen definitiv ausgelöscht. Die stammesrechtlichen Gesetze zum Schutze der Frau blieben kurzerhand auf der Strecke. Leider sind dabei auch religiöse und philosophische Hochkulturen, wie der griechische Neuplatonismus, der neuen Botschaft zum Opfer gefallen. Ihre Schriften wurden konsequent verbrannt und verboten. Sämtliche grossartigen Tempel und Monumente der griechischen Religionen wurden rücksichtslos geschliffen und zerstört.

Im Gegensatz zu Europa scheiterte das Imperium Romanum aber im Nahen Osten beim Versuch, die neue, offizielle Religion Roms auch den dortigen Untertanen aufzuoktroyieren. Das hartnäckige Judentum konnte seine Religion und Bräuche nicht zuletzt aus einem ganz gewichtigen Grunde bewahren. Im Alten Testament hatte es seine Geschichte und Glaubensvorstellungen bereits in schriftlicher Form festgehalten. Als Kulturvolk mit eigener Schrift und Kultsprache gingen die israelitischen Wertvorstellungen, selbst nach der vernichtenden Niederlage durch den babylonischen Königs Nebuknadezar II im Jahre 686 v. Christus, über das westarabische Reich Judäa und der erzwungenen Deportation der jüdischen Priesterschaft und seiner Aristokratie nach Babylonien, keineswegs unter. Ganz im Gegenteil. Wichtige Propheten wie Ezechiel und andere konnten selbst im babylonischen Exil weiterwirken und die Botschaften des Alten Testamentes massgeblich erweitern.

Babylonische Mythen - der Stern von Bethlehem

Keine andere Region übte mehr Einfluss auf das Judentum, das Christentum und den Islam aus, als die Hochkulturen Babyloniens. Viele jüdische und christliche Mythen sind bedeutend älter als das Juden- und Christentum selbst. Boshaft formuliert bedeutet dies: Etliche mesopotamische Sagen und Geschichten aus der Herrschaftszeit der Babylonier und Perser, die das Zweistromland mit den mächtigen Strömen Tigris und Euphrat während Jahrhunderten beherrschten, wurden in der Bibel beinahe wörtlich abgekupfert. Auch Zarathustras zoroastrische Lehre, die heutzutage nur noch weltweit rund 200'000 Gläubige zählt, hat mit ihrer Botschaft der Dualität - der guten Macht des Lichtes und der bösen Macht der Finsternis - alle drei monotheistischen Religionen massgebend geprägt.

Selbst die Geschichte des Sterns von Bethlehem beruht auf der Weissagung von persischen Mythen, wonach die Geburt eines mächtigen, jüdischen Königs am Firmament angezeigt werde. Persische Astrologen und Traumdeuter, auch Magier genannt, wirkten schon seit Generationen am Hofe Babylons und standen gleich nach dem König auf der höchsten sozialen Gesellschaftsstufe. Die Parther (Perser) hielten zur Zeit der Geburt Jesus Christus, bereits seit rund 150 Jahren ganz Mesopotamien besetzt. Diese persischen Magier, geschult in der alten parsischen Religion, brachten selbstverständlich auch das zoroastrische Gedankengut und dessen Wertvorstellungen nach Babylon. Und ganz entscheidend, in Babylon sprach man Aramäisch, die gleiche Sprache wie in Bethlehem, dem Geburtsort von Jesus Christus.

Nur einer der vier Evangelisten, lediglich Matthäus 2,1, erwähnt die Magier aus dem Morgenland in knappen Worten als "Weise aus dem Morgenland". Über die Anzahl der Weisen hat er Stillschweigen bewahrt. Mit Gewissheit waren es keine Könige. Im Laufe der Zeit erhielten diese angedichteten drei Könige ganz verschiedene Namen. Sie verkörperten je nach Zeitepoche und geografischen Raum die europäische, afrikanische und asiatische Rasse, später die drei Generationen. Als letzte Version tragen sie heute die frei erfundenen Namen Kaspar, persisch für "Schatzbewahrer", Melchior, hebräisch für "Mein König ist Licht" und Balthasar, hebräische Version des babylonisch-assyrischen Belsazar, für "Gott schütze sein Leben". Mit andern Worten ausgedrückt, die drei Magier aus dem Morgenland könnten genau so gut Luzi, Ludwig und Leonardo geheissen haben. Vielleicht ist die sinngemässe Übersetzung dieser Vornamen nicht ganz so salbungsvoll, aber im Wahrheitsgehalt genauso zutreffend, wie die im biblischen Unterricht den unschuldigen Kindern als historische Wahrheit eingetrichterten Phantasienamen.

Von der babylonischen Astrologie sind glücklicherweise viele schriftliche Dokumente auf Ton bis in die heutige Zeit überliefert geblieben. Aus diesen vorhandenen Zeitzeugnissen wird ersichtlich, dass der Beobachtung der beiden Planeten Jupiter und Saturn grosse Bedeutung zugemessen wurde. Dabei galt der Jupiter als König der Planeten und Repräsentant des Königtums. Der Saturn wurde von den persischen Magiern hingegen als Repräsentant für die Nachfolger oder Herausforderer des bereits herrschenden Königtums betrachtet. Inseinem Zeichen kamen edle und gute Menschen zur Welt.

Am 17. April, im Jahre 6 vor Jesus Christus geschah etwas Unerhörtes: Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn standen vom Standort Bagdad aus betrachtet scheinbar in einer geraden Reihe im Sternbild des Widders, das sinnbildlich für das Judentum stand. Das Bild des Widders wurde auf verschiedenen zeitgenössischen jüdischen Münzen entdeckt und nach heutigem Wissensstand ist bekannt: nicht das Sternzeichen der Fische, wie vormals angenommen, sondern der Widder verkörperte in der babylonischen Astrologie das Judentum. Hinzu kam ein weiteres Ereignis, eine bedeutungsvolle Anomalität; die schmale Sichel des zunehmenden Mondes zog vor dem Jupiter vorüber. Als der Jupiter vom abgedeckten Mond wieder freigegeben wurde, blinkte er für die Magier in Babylon wie ein Stern auf. Es war also kein Komet und auch keine Hypernova, wie in früheren Thesen vermutet wurde, die den Ausschlag für den Aufbruch der Weisen gab. Es war eine ganz besonders seltene Planetenkonstellation, zuzüglich der Mondfinsternis des Jupiters, die einer alten parsischen Prophezeiung, vielleicht müssen wir besser von einem prophetischen Horoskop sprechen, eine unglaubliche Eigendynamik verlieh. Eine Dynamik, welche die Weltgeschichte fundamental und für immer veränderte.

Die Magier machten sich auf die mehr als tausend Kilometer lange und sehr beschwerliche Reise. Sie überschritten den Euphrat und begaben sich in Feindesland. Zuerst ins römische Syrien und von dort südwärts in die Provinz Judäa. Da die Gegend in diesen Zeiten sehr unsicher war, mussten sich diese mit Schätzen ausgestatteten Weisen, mit Gewissheit grossen Karawanen anschliessen. Die Reisezeit dürfte viele Monate, wenn nicht sogar mehr als ein Jahr gedauert haben. Die in der Bibel erwähnte Ankunft nach zwölf Tagen, am 6. Januar ist ein Witz unserer Kirchenfürsten. Es ist unanständig, wider besseres Wissen, diesen Unsinn den Kindern weiterhin zu erzählen. Wie wir aus dem Alten Testament erfahren, wandten sich diese Magier direkt an den amtierenden König Herodes. Sie besuchten folgerichtig zuerst die Hauptstadt des jüdischen Reiches, wo sie den Thronfolger vermuteten. Da dieses "Sternenphänomen" jedoch nur vom Osten her zu verfolgen war und in Judäa überhaupt niemand davon erfahren hatte, löste ihr Erscheinen am Königshof Verblüffung, grosses Erstaunen und Besorgnis aus.

König Herodes, ein furchtbarer und brutaler Despot, der zu seiner Machterhaltung sogar drei seiner eigenen Söhne und einen Bruder opferte, war zutiefst besorgt, als er von der Ankunft der fremden Magier in seinem Lande erfuhr. Wie Matthäus 2,4 schildert, versammelte er unverzüglich alle Hohepriester und Schriftgelehrten an seinem Hofe. Die jüdische Geisteselite fügte nun unbewusst ihren Teil zur persischen Prophezeiung hinzu und beschleunigte hiermit auf unwiderrufliche Weise die Eigendynamik des prophetischen Horoskops. Im Alten Testament prophezeite ein unbedeutender, kleiner Prophet, "Micha 5,1" die Geburt eines Messias in Bethlehem, der die Erlösung Israels und den Sieg gegen die Assyrer erringen würde.

Herodes liess daraufhin die Magier unbehelligt nach Bethlehem ziehen. Sie sollten für ihn den gefährlichen zukünftigen Nebenbuhler identifizieren, um diesen später unschädlich machen zu können. Einer der Magier aber erkannte im Traum die üblen Absichten Herodes. So machten sie sich, nach der Übergabe der Gaben und ihrer Huldigung an den zukünftigen grossen König, unverzüglich und heimlich auf unbekannten Wegen in ihre Heimat auf. Als Herodes diese Nachricht vernahm, geriet er ausser sich vor Zorn. Wie wir vom Religionsunterricht wissen, wurden alle Knaben unter zwei Jahren auf Geheiss des Königs in Bethlehem getötet. Kein potentieller Widersacher sollte seit dem in Babylon beobachteten Sternenphänomen, am Leben bleiben. Diese Zeitspanne von zwei Jahren bestätigt die sehr lange Reisezeit der Magier. Die Weisen aus dem Morgenlande identifizierten nach langen Strapazen Jeschua Ben Josef, als den durch das Himmelsphänomen angekündigten König. Aus dem hebräischen Jeschua, für "Er wird erlösen", wurde in der griechischen Übersetzung der weltberühmte Jesus Christus und bedeutendste Religionsstifter.

Hätte ein Stern oder irgendein anderes Himmelsphänomen einen Stall oder ein einzelnes Haus in Bethlehem jemals in Licht getauft, nach heutigem physikalischen Wissen ein Ding der absoluten Unmöglichkeit, aber von der Kirche als Dogma behauptet, so wären die von König Herodes angeordneten brutalen Vorsichtsmassnahmen überfällig geworden. Der Unbedarfteste der Unbedarften hätte ein solch offensichtliches Gotteszeichen erkannt und der zukünftige Messias wäre zweifellos identifiziert und getötet worden. Da dem augenscheinlich nicht so war und ganz im Gegenteil, in Judäa überhaupt kein Himmelszeichen beobachtet wurde, verblieb den Eltern Josef und Maria genügend Zeit, mit ihrem Sohne Jeschua nach Ägypten zu flüchten. Gerade noch rechtzeitig, bevor der Bannstrahl Herodes alle andern unschuldigen Knaben unter zwei Jahren traf.

Ohne den Aufbruch einiger weiser Perser aus Babylonien ins Land Judäa, losgezogen im tiefen Glauben an ihre alten Mythen von der Geburt eines bedeutenden jüdischen Königs und ohne die besorgte Reaktion eines jüdischen Königs, der diese fremden und ihm unbekannten Prophezeiungen äusserst ernst nahm und seine geistige Elite, die Hohepriester und Schriftgelehrten unverzüglich einberief, wäre das Christentum vielleicht gar nie erstanden. So wurde es durch zwei Prophezeiungen mit Pauken und Trompeten aus der Taufe gehoben.

Eine Prophezeiung fügte sich nahtlos an eine andere. Zoroastrisches Gedankengut verschmolz mit jüdischer Vorhersehung. Zwei verschiedene Völker, beide auch heute dem Christentum abhold eingestellt; die Parther und Juden legten als Ironie der Geschichte, gemeinsam und ungewollt den Grundstein für die bedeutendste Weltreligion. Die neue Botschaft zur Aufforderung der Nächstenliebe und des Umdenkens stellte alles bisher Gesehene in den Schatten. Eine neue Zeitrechnung wurde mit der Geburt von Jeschua Ben Josef angesetzt. Eine Ehre, die keinem andern Sterblichen jemals zuteil wurde.

Aber gerade diese christlichen Mythen haben die jüdische Tradition und einen Teil ihrer Geschichte erst weltweit bekannt gemacht. Die unglaublich kleine jüdische Gemeinschaft mit global nur 16 Millionen Gläubigen, weniger als 1% der Christenheit, ist deshalb geradezu unverhältnismässig über ihre eigene kleine Glaubensgemeinschaft hinaus bekannt. Für zwei Milliarden Christen ist die Geschichte des Sterns von Bethlehem eine der schönsten Mythen und selbstverständlich auch ein von der Kirche gepflegtes und gehegtes Dogma. Sie ist wahrscheinlich das fundamentalste und wichtigste Ereignis, bezeugt im Alten- und Neuen Testament, das zur Rechtfertigung des Anspruchs herangezogen wird, Jesus Christus sei der angekündigte Messias. Dieses Urdogma ist für immer mit der Weihnachtsfeier und dem Fest des Dreikönigstags vom 6. Januar verknüpft.

Obwohl das Judentum seine Lehre gegenüber Dritten nicht propagiert, ist wegen dem Einschluss des Alten Testaments in die christliche Heilslehre, und sei es nur zur Beweisführung christlicher Dogmen, die jüdische Geschichte in allen christlichen Ländern präsent. Der universale Bekanntheitsgrad einiger jüdischer Prophezeiungen, die zur Festigung des Dogmas der göttlichen Vorhersehung von Jesus Christus herangezogen werden, hat sicherlich dazu beigetragen, das Judentum fälschlicherweise als Weltreligion einzustufen.

So kam es zur simplen Schlussfolgerung: "Wenn etwas weltweit derart bekannt ist, dann muss es sich automatisch um eine Weltreligion handeln." Aber kann eine Weltreligion ausschliesslich über ihren Bekanntheitsgrad definiert werden, ähnlich wie Levy Jeans oder Coca Cola? Sind es nicht ganz andere Charakteristiken, die für eine Weltreligion entscheidend sind? Der neue Glaube, von Jeshua Ben Josef unter Lebensgefahr verkündet, unterschied nicht mehr länger nach der Abstammung oder Blutsverwandtschaft, nach reich oder arm, Herr oder Sklave. Das Christentum stand allen offen, die seine Botschaft akzeptierten. Das Gebot der Nächstenliebe ist nicht elitär, es gilt für alle.

Der Andersgläubige im Judentum

Beginnen wir diese Analyse zuerst aus einem wohlwollenden Blickwinkel. Im fünften Buch Mose wird der Fremde in ein differenziertes Rechtssystem des sozialen Schutzes einbezogen, die ihn wirtschaftlich und gesellschaftlich auf unterer Gesellschaftsstufe integriert. Seine körperliche Unversehrtheit und Aufenthaltsberechtigung ist rechtlich abgesichert und er ist innerhalb der Grenzen des jüdischen Staates nicht der Willkür ausgesetzt. Hinter dieser Haltung steht die Lehre des Judentums des "Einen" Gottes für alle Menschen, unabhängig von der Abstammung. Dies entspricht einer Aufweichung des Ausspruches, die Zugehörigkeit zum Volk Gottes werde alleine über die kulturelle- oder Stammesherkunft gelöst. Die Aufnahme in die Gemeinschaft der Gläubigen erfolgt von nun an auch über ethische Kriterien, wie die Anerkennung des "Einen" Gottes und dessen Gesetzgebung. Es wird zwischen dem durchreisenden und dem sesshaften Fremden differenziert. Der Sesshafte wird bei entsprechendem Integrationswillen durch die Kultgesetzgebung fast vollständig gleichberechtigt. Er hat den Sexual- und Moralgesetzen zu folgen und kann die Opfergesetze einhaltend, an den Ritualen teilnehmen. Unterzieht er sich der Beschneidung und dem Taufbad, steht dem Proselyten, dem zum Judentum übergetreten Nicht-Juden, der Teilnahme an den religiösen Festen nichts mehr im Weg. Diesen rituellen Voraussetzungen folgend werden die ursprünglich Fremden nach der dritten Generation vollständiges Mitglied der Volksgemeinschaft. An dieser historischen Entwicklung von der radikalen Abwehr bis zur endlichen Aufnahme in die Volksgemeinschaft erkennen wir am Ende eine Gesetzeshaltung, welche die Menschenwürde des Einzelnen und die Gleichheit aller vor dem Gesetz anerkennt. *
Quelle: http://server.hagalil.com/s3/juedisches-recht/miller/fremde-0.htm#

Beim Lesen des Alten Testamentes sieht man leider auch einen ganz andern Geist, enorme Widersprüche und Inkongruenzen. Im 5. Mose Kapitel 5 sind die weltweit bekannten Zehn Gebote niedergeschrieben. In Vers 14 - 15 hören wir einen im Alten Testament kaum anzutreffenden Ton, den man zu Recht als Aufruf zum Humanismus und zur Besinnung auf die Toleranz bezeichnen darf. Auch der Sklave soll geschützt werden. Und zwar nicht, um ihn als Wertgegenstand zu schonen und ihn dafür umso länger und intensiver ausbeuten zu können. Nein, einfach aus menschlichem Anstand heraus wird auch dem sozial Schwächsten, das Recht auf Erholung zugebilligt.

14 aber der siebente Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht; da sollst du keine Arbeit tun, weder du noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Sklave, noch deine Sklavin, noch dein Rind, noch dein Esel, noch all dein Vieh, noch der Fremdling, der innert deiner Tore ist, auf dass dein Sklave und deine Sklavin ruhen wie du. 15 Und sei dessen eingedenk, dass du Sklave gewesen bist im Lande Aegypten und dass der Herr, dein Gott, dich von dannen herausgeführt hat mit starker Hand und ausgestrecktem Arm: Darum hat der Herr, dein Gott, geboten, den Ruhetag zu halten.

Der gleiche Moses schlägt aber ein paar Seiten später, im Kapitel 7 "Befehl zur Ausrottung der Bewohner Kanaans und ihrer Götzen" Vers 1 - 4 und 6 einen komplett andern Ton an, der dem allgemeinen Grundtenor des Alten Testamentes viel besser entspricht. Er erteilt den unzweideutigen Befehl zum gnadenlosen Massenmord im Namen Gottes und zur wahren Gottgefälligkeit.

"1 Wenn der Herr, dein Gott, dich in das Land bringt, dahin du nun ziehst, es zu besetzen, und viele Völker vor dir her vertreibt, die Hethiter, Girgasiter, Amoriter, Kanaaniter, Pheresiter, Hewiter und Jebusiter, sieben Völker, die grösser und stärker sind als du, 2 und sie der Herr, dein Gott, in deine Hand gibt und du sie schlägst, so sollst du an ihnen den Bann vollstrecken: du sollst keinen Vertrag mit ihnen schliessen und sie nicht verschonen; 3 und du sollst dich mit ihnen nicht verschwägern, nicht deine Töchter ihren Söhnen geben, noch ihre Töchter für deine Söhne nehmen. 4 Denn sie werden deine Söhne dem Herrn abwendig machen, dass sie andern Göttern dienen. Dann wird der Zorn des Herrn wider euch entbrennen, und er wird dich bald vertilgen. 6 Denn du bist ein dem Herrn, deinem Gott, geweihtes Volk; dich hat der Herr, dein Gott, aus allen Völkern, die auf Erden sind, für sich erwählt, dass du sein eigen seiest."

Sieben Völker sollen gnadenlos ausgerottet werden, deren einziges Verbrechen darin bestand: sie waren bereits vor den Israeliten im heutigen Grossraum Israel, Libanon und Syrien ansässig und sie räumten das Feld nicht freiwillig. Das gleiche Bild sehen wir heute mit den "bösen" Palästinensern, die partout ihre alte Heimat nicht aufgeben wollen.

Keine Verträge sind erlaubt. Die totale Vernichtung und Zerstörung der fremden Kulturen und Religionen wird befohlen. Fremdes Gedankengut soll keinesfalls die eigenen Überzeugungen beflecken. Gott ist zornig und ein Rächer über Generationen hinweg. Der Gott Israels bestraft nicht nur den Schuldigen, selbst die Sippe haftet für die begangenen Fehler ihrer Vorfahren. Jegliche Blutsvermischung ist strengstens verboten und absolut verpönt. Das Judentum soll im wörtlichen Sinne des Wortes, als Stamm erhalten und im Blut rein bleiben.

Alle Gräueltaten sind gegenüber den andern erlaubt. Gott ist offensichtlich extrem parteiisch und stellt sein auserwähltes Volk, die Juden, über alle andern Völker. Er räumt ihnen sämtliche Rechte ein, mit den andern Völkern so umzuspringen, wie es ihnen beliebt. Wobei ausdrücklich zu erwähnen ist, je strenger die Züchtigung, desto besser. Gott erscheint im Alten testament als Sadist und Schlächter. Von Toleranz, Respekt, Humanismus oder gar von Völkerverständigung zu sprechen, wäre bei diesem, nicht aus dem Zusammenhang gerissenen Originaltext, wirklich wahrer Hohn.

Die Namen Hethiter, Girgasiter, Amoriter etc. klingen fremdartig und fern und prallen an uns ab. Wir nehmen diese Geschichten aus dem Alten Testament im Prinzip gar nicht mehr ernst, weil sie weit, zuweit zurückliegen. Vergessen wir aber nicht, bei der Niederschrift des fünften Mose Kapitel 7, waren diese Gebote Tagespolitik. Um die Boshaftigkeit des obigen Aufrufs aufzuzeigen, hätte dieser Text in den Kontext des Zweiten Weltkriegs übersetzt, in etwa folgendermassen gelautet: Gott befahl den Deutschen in seinem Namen die vollständige Zerstörung aller sieben Nachbarvölker. Insbesondere die Vernichtung der Franzosen, Belgier, Holländer, Dänen, Polen, Tschechoslowaken und Schweizer wurde angeordnet, um den notwendigen Lebensraum fürs eigene Gotterwählte Volk zu schaffen. Er ordnete ausdrücklich an, mit äusserster Härte vorzugehen und alle Nachbarvölker und Kulturen auszutilgen. Abartig absurd! Wirklich? Die Thora, Pentateuch oder auch die fünf Bücher Mose genannt, ist das allerheiligste Schrifttum des Judentums. Die Thora wird auch heute noch von der jüdischen Orthodoxie wortwörtlich zitiert und als Gesetz verstanden. Ein einziger Orthografiefehler macht sie ungültig und verlangt ihre Vernichtung!

Niemand zweifelt an der Intelligenz der jüdischen Gemeinschaft und an ihrem Bildungsstand. Auch der ignoranteste Gläubige weiss, dass die jüdischen Stämme im Sinne der Reinheit des Blutes seit vielen Jahrhunderten nicht mehr existieren. Blonde, blauäugige Aschkenasims und Bantus aus dem Stamme der Lembas in Rhodesien haben äusserlich kaum noch etwas gemeinsam. Die jüdische Gemeinschaft über die Verwandtschaft des Blutes zu definieren, wäre grotesk. Trotzdem sind heute genetische Untersuchungen am männlichen Y-Geschlechtschronosom möglich, um plausible Quervergleiche auch noch nach Jahrtausenden über gemeinsame jüdische Vorfahren anzustellen.

Der Gläubige entscheidet nur bedingt aus seinem so genannten Bewusstsein heraus. Das Unterbewusste spielt bei religiösen Themen mit absoluter Sicherheit eine viel grössere Rolle, als der moderne, doch so rational denkende Mensch, sich eingestehen will. Es speichert ein Vielfaches an Wissen und Informationen dessen, was im Bewusstsein präsent gehalten wird. Kein Forscher weiss heutzutage, welcher Prozentsatz unserer Entscheidungen bewusst oder unbewusst getroffen wird. Gibt es überhaupt Entscheidungen, die ausschliesslich aus dem Bewusstsein getroffen werden, oder urteilen immer beide Sphären zusammen? Wenn ja, mit welcher Gewichtung beeinflussen sie unsere Entscheidungen?

Aber eine Tatsache sollte jedermann klar sein. Religiöse Werte und Glaubensvorstellungen werden uns bereits in frühester Jugend als nicht zu hinterfragende Wahrheiten eingetrichtert. Ein Kind weiss nicht, was Dogmen sind. Es kommt gar nicht auf den Gedanken, diese religiösen Mythen, Geschichten, Anekdoten, Verbote, Gebote und ethischen Lehrsätze könnten nicht direkt vom lieben Gott stammen, sondern seien auf dem Mist von nur allzu Sterblichen gewachsen. Dank dem uralten Alter dieser Schriften, von Generation zu Generation vorbehaltlos gepredigt, sind diese Gebote immer heiliger und unantastbarer geworden. Ein jeder Mensch, der eine religiöse Erziehung erhalten hat, ist mit den Dogmen seiner Lehre indoktriniert worden. Den meisten fällt es sehr schwer, diese Fesseln aufzubrechen, sei es aus Bequemlichkeit, Interesselosigkeit oder schlichter Feigheit.

Diese in frühester Kindheit aufgenommenen Wahrheiten, sind tief in unserem Innern, wie in einem Tresor verwahrt. Sie mögen schlummern und von unserem Bewusstsein in eine Ecke abgedrängt werden. Unsere Logik und unser Gerechtigkeitsempfinden mag deren Bejahung ablehnen. Bei echter oder auch nur eingebildeter Gefahr, oder bei der Verneinung dieser Wertvorstellung durch Dritte oder Aussenstehende, die nicht der eigenen Gruppe angehören, kommen reflexartig Abwehrmechanismen zu Tage. Ein Kind, das ursprünglich keinen Rassismus kennt, im Unterricht aber immer vom auserwählten Volk und dessen Verfolgungen und Leiden hört und dass es zu dieser Schicksalsgemeinschaft zählt, einer exklusiven und kleinen Gemeinschaft, die das auserwählte Volk Gottes darstellt, wird diese frohe Botschaft wahrlich annehmen. Wer verweigert schon die Aufnahme in den Kreis der Auserwählten? Der Mensch ist gerne bereit, eine gute und schmeichelhafte Botschaft zu akzeptieren. Mit dieser simplen Logik spielen auch die Astrologen. Horoskope sind generell positiv formuliert, sodass bei Blindtests bis zu 90% aller Horoskopleser sich angesprochen oder geschmeichelt fühlen. Wie viele Leute würden wohl ihr Horoskop lesen, wenn in etwa folgender Kommentar zu lesen wäre: "Die Sterne stehen schlecht in ihrem Zeichen. Schon seit Geburt zur Mittelmässigkeit verdammt, werden sie auch in diesem Monat keine grossen Stricke zerreissen." Auf Zurücksetzungen verzichten wir doch alle nur allzu gerne!

Ein ganz starkes Indiz für die Festlegung des Judentums als Stammesbotschaft wird in der ausserordentlichen Bedeutung der Blutsreinheit bei den Israeliten ersichtlich. In indirekter Form ist sie auch aus den Gesetzesbestimmungen im Umgang mit Sklaven abzuleiten. Die alten Israeliten 3. Mose Kapitel 25 verbaten, ihre eigenen Glaubensbrüder zu versklaven. Ein verarmter Hebräer lebte als Beisasse und nicht als Sklave bei einem reicheren Glaubensbruder. Ein verarmter Hebräer, der von einem Fremden als Sklave erworben wurde, sollte von den Blutsverwandten freigekauft werden. Ein Israelit durfte eine Sklavin schwängern. Es überstieg aber jegliches Vorstellungsvermögen, eine Jüdin könnte mit einem Fremden den Geschlechtsakt vollziehen, oder mit einem Andersgläubigen den Bund der Ehe eingehen. Hierin dürfte der eigentliche Grund liegen, warum die Vererbung des Judentums bis heute ausschliesslich über die Mutter und nicht über den Vater erfolgt. Eine Entscheidung, die in einer zutiefst patriarchalisch gefärbten Gesellschaft Aufsehen erregt. Obwohl die Frau zur Zeit der Niederschrift des Alten Testamentes als seelenlos und zweitrangig eingestuft wurde, geschweige zum Gottesdienst Zugang hatte, besass ausgerechnet sie, das ausserordentliche Privileg der Vererbung der Glaubensgemeinschaft. Sicherlich nicht aus Noblesse oder einem Gefühl der Gleichberechtigung heraus wurde ihr diese Wertschätzung zugestanden. Der Grund ist viel trivialer und einleuchtend. Eine schwangere Jüdin wurde geradezu zwingend von einem Glaubensgenossen befruchtet. Aus diesem Grunde gehörte die Frucht auch zweifelsfrei zum Stamme. Und die Reinheit des Stammes wurde über alles andere gestellt. Auch heute noch wird in der Orthodoxie ein jeder geächtet, gleichgültig ob Sohn oder Tochter, der/die es wagt, einen Andersgläubigen zu heiraten und somit aus der Familie oder Sippe auszubrechen.

Trotz diesen ursprünglich unglaublich streng formulierten Rassegesetzen, hat das Judentum während zweier Jahrhunderten von 150 v. Chr. bis 50 n. Chr. (Quelle: de.wikipedia.org) auch die Missionierung gekannt. Dies dürfte auch der Grund sein, dass zur Zeit des Zensus des römischen Kaiser Augustus, der von 27 v. Chr. - 14 n. Chr. regierte, das Judentum die stärkste Religionsgemeinschaft im gesamten römischen Reich war. Laut Aussage von Professor Emilio Spedicato von der Fakultät für Mathematik an der Universität Bergamo, war die jüdische Glaubensgemeinschaft mit über 8 Millionen Gläubigen, die grösste religiöse Bevölkerungsgruppe innerhalb des ganzen römischen Reiches während der Amtszeit von Kaiser Augustus. Quelle: http://federated-israel-palestine-in-exile.org/IP_Policy.html

Warum das Judentum beinahe gleichzeitig mit dem Tode Augustus seine Missionierungs-Aktivitäten einstellte, entzieht sich meiner Kenntnis. Die demografischen Zahlen sprechen eine mehr als deutliche Sprache. Während das über das gesamte römische Imperium und die ganze bekannte Welt weit verbreitete Judentum während zweittausend Jahren sich nur um den Faktor Zwei auf 16'000'000 Gläubige vermehrte, wuchs die kleine Gruppe der Urchristen im gleichen Zeitraum um mehr als das Tausendfache auf rund 2'000'000'000 Gläubige an. Die damals noch nicht mal existierende Botschaft Mohammeds zählt zwischenzeitlich auch schon über eine Milliarde Anhänger. Bei der Analyse des Judentums kommt man nicht umhin, von einer sterbenden Religionsgemeinschaft zu sprechen. Nur mit den bekannten Genozids und Verfolgungen lässt sich der horrende Niedergang und die unglaubliche Schrumpfung am Bevölkerungsanteil nicht erklären. Die Schwachstelle des Judentums liegt in ihrer inhärenten Stammesbotschaft, die heute sicherlich nicht mehr über die Blutsverwandtschaft definiert wird. Das Judentum wird eher als eine Schicksalsgemeinschaft aus längst vergangenen Tagen, als eine Bruderschaft mit gemeinsamen Vorfahren, lieb gewonnen Bräuchen, gemeinsamer Kultsprache und der gemeinsam gefeierten, frohen Feste verstanden.

Mancher Jude betrachtet sich als Mitglied einer elitären Minorität. Viele von ihnen sind stolz und mutig zugleich, ihre Andersartigkeit zu zeigen, selbst wenn dies Ausgrenzung bedeutet. Der strenggläubige Jude hinterfragt die Ethik seiner Religion nicht. Denn noch wichtiger als die Botschaft, sind für ihn die Solidarität und der bedingungslose Zusammenhalt in seiner Gruppe. Auch wenn das Judentum dank der Reisetätigkeit und den Niederlassungen der jüdischen Gewürzhändler und Kaufleute in einem riesigen Gebiet von Indien, über Arabien, Nordafrika bis und mit Westeuropa und daher geografisch betrachtet, durchaus weltweit praktiziert wurde, gelangte diese Religion und Kultur immer nur als Begleiter seiner eigenen Stammesbrüder in diese Länder. Auch in Südamerika sind alle Juden entweder eingewanderte Ashkenasims aus Russland, Polen oder Deutschland oder Sefarden aus Spanien und Nordafrika. Mir sind keine jüdische Indios in Lateinamerika oder Indianer in Nordamerika je begegnet, wohl aber viele zwangsgetaufte Christen.

Weil das Christentum, wie auch der Islam, im Judentum ihre Wurzeln haben und beide zur Weltreligion aufstiegen, wurde und wird auch heute noch das jüdische Glaubensbekenntnis automatisch mit den beiden jüngeren Religionen gleichgestellt. Wie bereits schon erwähnt, sind durch die Geschichten und Anekdoten des Alten Testamentes Milliarden von Andersgläubigen bereits im jüngsten Kindesalter mit der jüdischen Geschichte und ihrem Gedankengut in Berührung gekommen.

Aber es gibt einen Tatbestand, der sich nicht wegdiskutieren lässt. Er setzt der Verbreitung des Judentums für immer Barrieren. Solange der Gott des Alten Testamentes parteiisch ist und Schutz und Güte nur seinem einzigen geliebten Volk zugesteht, wird jede Botschaft dieses unmündigen Gottes von allen Menschen mit offenem Verstand und Gerechtigkeitssinn abgelehnt. Parteiische Eltern, Lehrer und Richter werden zu Recht verachtet. Was sollen wir demzufolge von einem parteiischen Gott halten? Von einem Wesen, das in ethischer Hinsicht auf unterster Stufe steht? Ein Gott, der selbst von uns noch lernen müsste. Auf solch einen Gott ........ wir. Es sei dem Leser überlassen, den Satz zu vervollständigen. Solch eine miserable und mickrige Gottesfigur wird nie zur Weltreligion taugen. Für mich ist es eine pure Gotteslästerung, den Geist und Urmutter des Universums als derart klägliche Figur darzustellen. Wer zählt die Verbrechen, die schon im Namen Gottes verübt wurden? Es ist bitter notwendig, Bewegung ins Gottesbild zu bringen. Das Alte Testament hat als Buch der Ethik zur Weiterbringung der Menschheit definitiv ausgedient.

Der Weg aus der Sackgasse

Im Zweiten Weltkrieg wurden rund 4000 V2-Raketen auf London abgeschossen. Diese neue Wunderwaffe der Nazis verbreitete unter den Bewohnern grossen Schrecken, da deren Geschosse ohne Vorwarnzeit und gleichzeitig mit dem Fluglärm einschlugen. Andererseits kamen nur "lächerliche" 7'000 Menschen durch diese immense Zahl von V2-Raketen ums Leben. Wahrscheinlich starben in Pennemünde gleichzeitig mehr Juden, slawische Zwangsarbeiter und anderen Kriegsgefangene unter den unmenschlichen Arbeitsbedingungen. Die beiden Baby-Atombomben von Hiroshima und Nagasaki, die zu Kriegsende abgeworfen wurden, waren schon bedeutend boshafter. Sie forderten zusammen bereits einen Blutzoll von rund 200'000 Opfern. Heute besitzt die Menschheit Atomsprengköpfe mit hundertfacher Sprengkraft und die meisten modernen Raketen sind ausserdem mit Mehrfachsprengköpfen ausgerüstet. Sollte jemals eine Superbombe über einer Grossstadt gezündet werden, so würde die Tsunami-Katastrophe vom 26. Dezember 2004 mit Sicherheit in den Schatten gestellt.

Wir alle leben in einer gefährlich klein gewordenen Welt. Bei der Waffentechnologie hat die Menschheit fatalerweise enorme Fortschritte erzielt. Aber in der inneren Einstellung und bei den religiösen Ansichten sind zu viele auf der Stufe des Vormittelalters stehen geblieben. Dies gilt vor allem für zwei der drei monotheistischen Glaubensbekenntnisse. Es ist aber zusätzlich gefährlich, wenn ein Volk, das sich bewusst oder auch unbewusst über seine Stammesherkunft identifiziert, eine Massenvernichtungswaffe wie die Atombombe besitzt. Denn irregeleitete und fanatisierte Repräsentanten eines schriftlich beglaubigten und auserwählten Volk Gottes, könnten sich durchaus anmassen, im Namen Gottes mit der Atomwaffe zuzuschlagen. Dabei im falschen Glauben an ihre unselige Stammesbotschaft handelnd, wie ihre biblischen Vorfahren noch immer über den andern Völkern zu stehen. Die ersten Atombomben wurden von einem christlichen Volk, von den Amerikanern abgeworfen. Und die Historiker sind mehrheitlich der Ansicht, dank der sofortigen Kapitulation Japans seien Millionen von Opfern gerettet worden. Wann wird wohl die nächste Atombombe, im Namen der Humanität und zur Rettung vieler unnötiger Opfer, quasi vorbeugend und nur als abschreckende Massnahme - von verlogenen Politikern zum verheerenden Einsatz befohlen?

Um den Verdacht zu entkräften, die Bewertung oder Zurückstufung des Judentums auf das Niveau einer Stammesreligion erfolge aus Gründen der Diskriminierung, soll nochmals an die beiden atomaren Tragödien des Zweiten Weltkrieges erinnert werden. Auch die Zugehörigkeit zu einer Weltreligion, mit dem vielleicht wichtigsten Glaubenssatz: "liebe deinen Nächsten wie dich selbst!" verhinderte keinesfalls den Einsatz zweier Atombomben.

Die Juden sind in Europa, da sie immer eine Minorität darstellten, zur Genüge geplagt worden. Dennoch sollten Tatbestände so geschildert werden, wie sie nun mal sind und nicht aus einem falsch verstandenen Komplex heraus, euphemistisch verklärt werden. Wir alle haben das Recht, besser gesagt sogar die Pflicht - da die Welt immer kleiner wird - die Gefährlichkeit jeglichen Stammesdenkens aufzuzeigen. Nationaler Egoismus und Fanatismus wird nur noch vom religiösen Eifer in seiner Gefährlichkeit übertroffen. Leider sind beide Symptome, sowie ein gehätschelter und gehegter Kult um den Genozid in der israelischen Politik zu beobachten. Ich habe die erschütternden Bücher "Exodus" und "Mila 18" von Leon Uris mehrmals gelesen und es tat mir in meiner Seele leid, mit welcher Grausamkeit die jüdische Glaubensgemeinschaft im Zweiten Weltkrieg verfolgt und dezimiert wurde. Leider hat dieses stetige Erinnern an die Verbrechen des Zweiten Weltkrieges sich zu einem eigentlichen Verfolgungswahn mit einer ganz gefährlichen Eigendynamik entwickelt. Diese kollektive und unterschwellige Angst in der jüdischen Bevölkerung führt zu Überreaktionen. Was heute im Gazastreifen abläuft, erinnert allzu stark an Bilder aus den unseligen Warschauer-Ghetto-Zeiten. Sicherlich betreibt Israel keinesfalls einen gezielten Genozid, wie ihn die Nazis ausübten. Ausserdem wird Israel auch dauernd von islamischen Fanatikern mit Raketen aus deren Grenzgebieten heraus beschossen. Aber das anmassende Auftreten und überharte Gebaren der israelischen Armee wie auch die schikanösen Grenzkontrollen für die palästinische Urbevölkerung, gleichen dem herrischen Nazi-Treiben leider nur allzu sehr. Schade für Israel, das seine Unschuld schon längst verloren hat und auch noch den letzten Bonus an Wohlwollen leichtfertig verspielt.

Der Nahe Osten steckt seit gut 50 Jahren in der Zwickmühle. Beide verfeindeten Parteien, sehen vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Eine Lösung in dieser verfahrenen Situation zu finden, ist sehr beschwerlich! Sie erfordert die Einsicht vieler Einzelner und die heisst: "Die Welt ist zu klein geworden, als dass wir uns einen parteiischen Gott noch leisten können." Ausserdem hat das arrogante und parteiische Auftreten der USA-Israel-Militärachse erst den islamischen Fundamentalismus aus der Taufe gehoben. Die Zeche bezahlt heute die ganze Welt, da wir alle vom Terrorismus betroffen sind.

Zur Zeit der Niederschrift des Alten Testamentes kämpften die Wüstenstämme noch mit Pfeil und Bogen und primitivsten Waffen aus Holz und Stein. Ihre Weltsicht war einfach und klar und musste auch nicht hinterfragt werden. Heutzutage ist ganz fundamentales Wissen zu allen Menschen überall auf der Welt und selbstverständlich auch ins "Gelobte Land" durchgedrungen. Jeder Erdenbewohner sollte im 21. Jahrhundert wissen, dass es mehr Sterne im Universum als Sandkörner auf der Erde gibt. Diese ungeheuerliche Erkenntnis ist ein Wink mit dem Zaunpfahl auf unsere absolute Winzigkeit und Bedeutungslosigkeit im Universum.

Auch dem Dümmsten und Borniertesten sollten sich die Augen öffnen, wie lächerlich und an den Haaren heran gezogen Stammesdenken heutzutage ist. Die von der Zeit schon längst überholten Behauptungen und Gebote der völlig ignoranten Propheten des Alten Testamentes, die den Schöpfer in das Jackett einer mickrigen, rachsüchtigen, intoleranten, kleinmütigen und parteiischen Gottheit steckten, sind null und nichtig. Steinzeitliches Stammesdenken kombiniert mit modernster Atom-Waffentechnologie ist wirklich ein unseliger Cocktail. Altes religiöses Gedankengut muss in der heutigen hochgerüsteten Welt zwingend hinterfragt werden. Wenn nicht, bezahlen wir alle eine horrende Zeche! Auch die Unschuldigen werden dann zur Kasse gebeten. Aber sind wir tatsächlich unschuldig, wenn wir zu feige sind, Unangenehmes zu hinterfragen und anzuprangern?

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