Würgeengel








Der Würgeengel

Gott ist die Liebe, Gott ist barmherzig, Gott ist allmächtig, Gott ist allwissend, das sind die Definitionen, die ich als Kind von meinen Eltern und im Unterricht zu hören bekam. Im Gottesdienst, beim genaueren Lesen der Bibel oder sei es beim Kinobesuch wurde dieses Bild ziemlich strapaziert.

Auch die Engel standen bei mir in gutem Ruf, denn für mich waren sie die Boten Gottes und ich hoffte sehr, auch einen Schutzengel im Himmel zu haben. Natürlich hörte ich auch von Luzifer, dem gefallenen Engel, der uns ständig in Versuchung führen wollte, damit wir in die Hölle kommen. Dass Luzifer auch noch Gehilfen benötigte, war mir klar. Er konnte ja nicht alle Gefallenen persönlich plagen. Denn schon im Kindergarten lernte ich, es gibt viel mehr Sünder als Erlöste: Denn der Weg in die Verdammnis ist breit und angenehm, der Pfad zur Erlösung aber steil und steinig. Aber Engel waren für mich definitiv Lichtgestalten. Darum möchte ich wirklich keinen Würgeengel als Freund und Helfer haben. Ein Engel, der ohne Rücksicht auf Schuld und Verbrechen, jedes erstgeborene Kind wie auch Tier tötet, ungeachtet der sozialen Stellung seiner Eltern, kann gemäss Definition meiner Eltern und Erziehung kein Helfer Gottes sein. Wenn ich jetzt boshaft wäre, müsste ich wohl die Frage aufwerfen, ob ein Volk, das sich auf solche Helfer berufen muss, nicht auf der falschen Seite, auf der Seite des Bösen steht? Sage mir, wer deine Freunde sind und ich sage dir, wer du bist!

Als Kind kamen solche Zweifel gar nicht auf. Denn meine Eltern und Lehrer waren Respektpersonen, die ich liebte. Wann sie sagten, es ist so, dann war es so. Hier beginnt aber genau die Dogmatisierung oder Indoktrinierung von uns allen. Wir gehen mit unseren Freunden in die gleiche Schule, treffen uns am Sonntag in der gleichen Kirche, die Eltern haben die gleiche Religionszugehörigkeit. Wir hören immer nur das Gleiche: Wir sind die Guten, wir glauben an das Richtige, die andern sind die Sektierer oder noch trauriger, praktizieren einen falschen Glauben. Die Mohammedaner und Juden definieren dies kurz als Ungläubige. Diese Botschaft hören wir während rund fünfzehn Jahren und zwar während unseren empfänglichsten Jahren, wo unsere Eltern noch uneingeschränkt unsere Vorbilder sind und die Pubertät noch nicht eingesetzt hat. Und wen verwundert es, mit der Zeit hat sich diese Botschaft richtig im Gehirn einzementiert, sei es bei den Juden, den Christen oder Mohammedanern.

Natürlich wissen wir, dass die bösen Kommunisten, besonders in der ehemaligen Sowjetunion und in China, Korea, Kuba usw. schon im Kindergartenalter schamlos mit der Propaganda des Kommunismus begannen. Dass genau das Gleiche in Sachen Religion bei uns der Fall ist und überall auf der Welt noch heute passiert, wird nicht realisiert oder einfach übersehen. Dieses Nichtwahrnehmen der Indoktrinierung geschieht nicht aus Boshaftigkeit, sondern eher aus lauter Dummheit und Trägheit. Warum sollte ich etwas hinterfragen, das ich als absolute Wahrheit betrachte? Der überzeugte Gläubige nimmt nicht zur Kenntnis, auch seine Religionen ist eine Doktrin und niemand ist so empfänglich wie das Kind.

Die Konditionierung zum Töten

Ergänzend und vertiefend möchte ich ein typisches Beispiel der Indoktrinierung des Menschen, in der Militärsprache spricht man von Konditionierung, aus heutiger Zeit aufzeigen. Der Bericht basiert auf den Untersuchungen des Berufsoffiziers Dave Grossman, der als Oberstleutnant bei der US-Armee den Dienst quittierte und 1995 den Bestseller "On Killing. The Psychological Costs of Learning to Kill in War and Society". Der Offizier Grossman sagt:" Von Natur aus sind Soldaten Kriegsdienstverweigerer. Wo es nur geht, drücken sie sich vor dem Feind." Militärhistorische Untersuchungen über den Zweiten Weltkrieg zeigten, dass nur etwa 15% - 20% der Kampftruppen ihre Waffen auch abfeuerten, der Rest tat alles, um dies zu vermeiden. Einige sicher aus purer Feigheit. Andere nahmen aber sogar bewusst grössere Risiken auf sich, wie Nachschub holen oder Verwundete aus der Kampfzone heraus zu schaffen, nur um nicht schiessen zu müssen. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges musste die Deutsche Wehrmacht die tapfersten Frontsoldaten der Sanität zuteilen, weil es ausserordentlichen Mut und Kraft erfordert, einen Schwerverletzten aus der umkämpften Kampfzone herauszuholen. Es ist schon unglaublich hart, einen Verwundeten im Kampfanzug während einer Übung wegzutragen, geschweige einen Verwundeten auf dem Schlachtfeld in gebückter Haltung wegzuschleifen.

Wer immer weismachen will, das Töten sei eine einfache Sache, verkennt die Wahrheit. Die Lässigkeit, mit der James Bond seine Gegner eliminiert, ist pure Männer Phantasie. Abgesehen von Psychopathen und Sadisten hat jeder gesunde Mensch einen starken inneren Widerstand gegen das Töten. Niemand weiss dies besser als die Instruktionsoffiziere der Kampftruppen, deren Aufgabe es ja ist, diese Hemmschwelle zu senken, oder gar zu eliminieren. Im Vietnamkrieg hatte die US-Armee ihr Ziel erreicht, 95% der GIs feuerten ihre Waffen auf den Feind ab. Dieses "exzellente" Resultat ist das Ergebnis einer konsequent entwickelten physischen und psychischen Konditionierung: "Töten auf Befehl.".

Die britischen Berufssoldaten, welche von den Kampferfahrungen der amerikanischen Armee aus dem Vietnamkrieg lernten und einen ähnlichen Drill einführten, feuerten im Falklandkrieg oder wie die Argentinier sagen im Krieg der Islas Malvinas zu 90% ihre Waffen ab, während bei den unerfahrenen argentinischen Zeitsoldaten die Quote bei bescheidenen 10 - 15% lag. Es ist klar, dass hier Birnen mit Äpfeln verglichen werden. Ein Berufssoldat von einem alten englischen Regiment mit seiner glorreichen Tradition und Geschichte, versehen mit militärischen Berufsstolz, ist aus anderem Holz geschnitzt als ein dürftig ausgebildeter Milizsoldat aus den tropischen Provinzen Missiones oder Corrientes. Milizsoldaten, ausgerüstet mit untauglicher Kleidung, inferiorer Bewaffnung und ohne Kampfmoral, um einen Krieg in arktischer Kälte zu bestehen. Dafür wärmte sich die argentinische Generalität bei Rotwein und Cognac ihre Seelen im warmen Buenos Aires auf. Ausser zum Trinken und Foltern taugten sie zu gar nichts.

Dennoch zeigen uns die 15% der abgefeuerten argentinischen Waffen den korrekten Wert an, wie viele Menschen aus eigenem Antrieb bereit sind, auf Befehl zu töten, im Gegensatz zur 90%-Erfolgsquote der zu Kampfmaschinen abgerichteten Berufssoldaten. Zur vollständigen Information und zur Ehre Argentiniens soll audrücklich erwähnt werden, dass die argentinischen Militärpiloten - ausschliesslich Berufsoffiziere und ebenfalls im Kampfsimulator geschult - heldenhaft kämpften und dem Gegner schwerste Verluste beibrachten.

Wie wird in der Praxis die Konditionierung zum Töten erreicht? Das Schiesstraining auf Scheiben bringt nicht viel, um einen friedliebenden Bürger zum Kämpfer zu machen. Wer auf Scheiben zielt, übt sich in der Schiesskunst und nicht in der Kriegskunst. Darum entwickelte man schon früh Silhouetten, "ganzer Mann", "halber Mann", "Brust und Kopf" und "nur Kopf". Je kleiner das Ziel, desto anspruchsvoller und erstrebenswerter wird es. Und der Soldat freut sich über drei schwierige Kopftreffer bedeutend mehr als über die kinderleichten Schüsse auf die "ganzer Mann-Scheibe". Noch unterhaltsamer wird es mit Pop-up-Zielen. Wenn die Scheibe sich beim Treffer senkt und gleich wieder hochkommt und man im sportlichen Wettkampf trainiert, wie viele Treffer in 30 Sekunden erzielt werden. Ein gutes Trefferresultat wird vom Unteroffizier oder Leutnant entsprechend gerühmt. Auch beim militärischen Trott soll hie und da Spass aufkommen.

Noch eine Stufe höher einzustufen, sind die interaktiven Kampfsimulatoren, wo es keine Zeit mehr zum Denken gibt und nur die blitzartige Reaktion von Erfolg gekrönt ist. Der Kämpfer muss instinktiv richtig handeln, nur so gibt es Bonuspunkte. Bei besonders erfolgreichem Töten sogar noch ein Freispiel. Die Geschicklichkeit des Tötens wird in einer angenehmen Atmosphäre ohne Schweiss- und Blutgeruch, dafür aber von einem höllischen Kriegslärm begleitet. Selbst der Rückstoss der Waffe wird simuliert. Alles bleibt hygienisch sauber und der Spieler/Kämpfer verspürt selbstverständlich keine Schmerzen. Erklärtes Ausbildungsziel ist es; der Auszubildende soll im Ernstfall automatisch und ohne Überlegung abdrücken, töten, auslöschen, killen, eliminieren, vernichten!.

Leider haben wir jetzt Kinder, die sich in Spielsalons in eigener Regie zum Killer ausbilden und in ihrer geistigen Unreife von der Gewaltverherrlichung der Medien verführt, sich zu Terrorakten hinreissen lassen. Am 24. März 1998 töteten der elfjährige Andrew Golden und der dreizehnjährige Mitchell Johnson in Jonesboro in Arkansas fünf Menschen und verletzten zehn weitere Schüler schwer. Als eine Lehrerin in der benachbarten Highschool ihrer Klasse erzählte, was die eben von allen gehörten Schüsse bedeuteten, lachten ihre Schüler und fanden die Täter echt "cool". Und noch eine letzte Anmerkung. Obwohl beide Täter nur 27 Schuss abfeuerten, töteten sie fünf Menschen und verletzten 10 weitere Schüler. Militärexperten staunten, wie die beiden Anfänger nach allen Regeln der Kriegskunst ihre Opfer in einer definierten Killzone kaltblütig wie im Spielsalon bereits bestens konditioniert, ins Visier nahmen und ihre Lehrer und Mitschüler ganz cool abknallten.

* Quelle: Das Magazin. "Du willst nicht töten" Tages-Anzeiger 5. bis 11.4.2003

Eine ähnliche Konditionierung sehen wir im Israel-Palästina-Konflikt. Die Hemmschwelle wird auf beiden Seiten immer tiefer gesenkt: Beide semitischen Völker betrachten sich gegenseitig nicht mehr als Menschen. Dass ein junger Mann oder Frau überhaupt bereit ist, als lebendige Bombe sein/ihr Leben zu opfern, muss allen ernsthaft zu denken geben. Im obigen Beispiel wurde gezeigt, wie Menschen spielerisch zum Töten verführt werden, wie die Reizschwelle geschickt herabgesetzt wird.

Noch viel gefährlicher aber ist die geistige oder religiöse Konditionierung. Gelingt es dem Agitator, einen Menschen von seiner Sache absolut zu überzeugen, dann hat er ein gewonnenes Spiel. Darum soll ein Originalbeispiel aus dem Alten Testament zitiert werden, damit sie sehen und erkennen können, wie auch das jüdische Volk mit einem ganz gefährlichen Impfstoff indoktriniert wird.

In der Annahme, dass die meisten Leser die Bibel nicht gerade neben dem Kopfkissen haben, werden einige Schlüsselszenen aus dem Zweiten Buch Mose zitiert, um die Authentizität der Sprache wiederzugeben. Noch heute erinnere ich mich, wie gebannt ich die gespenstische Szene im Film "Die Zehn Gebote" verfolgte, als die Israeliten die Türpfosten und Oberschwellen ihrer Häuser mit Blut kennzeichneten, damit der Würgeengel an ihren Wohnstätten vorbeiginge. Wie habe ich mitgezittert, dass die Israeliten noch rechtzeitig ihre Häuser markieren konnten. Dennoch beschlich mich ein ungutes Gefühl, als der Würgeengel bei den Ägyptern seine Untat verrichtete und die Klagelaute der Ägypter nur leise hörbar waren.

Wie habe ich als Kind gejauchzt, als die für unbesiegbar geltende ägyptische Armee, angeführt vom Pharao mit all seinen Soldaten, Streitwagen und Rossen, elendiglich im Meer ersoff, und das geplagt Volk Israels sich endlich in Sicherheit befand. Jedem Filmbesucher war klar, dieses Volk musste das auserwählte Volk Gottes sein. Denn welches Volk konnte auf einen Gott verweisen, der die Wogen des Meeres beidseitig zurückdrängte, und zwar solange bis 600'000 Männer, Frauen, Kinder und Vieh das Meer trockenen Fuss durchquerten. Sobald die Letzten des grossen Zuges das sichere Ufer erreichten, streckte Moses auf Geheiss des Herrn seine Hand über das Wasser. Und die Wasser kehrten zurück und verschlangen alles.

Zweites Buch Mose Kapitel 14: 26 Und der Herr sprach zu Mose: Recke deine Hand aus über das Meer, dass die Wasser zurückfluten auf die Aegypter, auf ihre Wagen und ihre Reiter. 27 Und Mose reckte die Hand aus über das Meer, und beim Anbruch des Morgens strömte das Meer in sein Bette zurück, während die Aegypter ihm entgegenflohen, und der HERR trieb die Aegypter mitten ins Meer hinein.


Das Zweite Buch Mose Kapitel 12

Zitiert aus dem Alten Testament:

1 Darnach sprach der Herr zu Mose und Aaron im Lande Ägypten: 2 Dieser Monat soll für euch der erste Monat sein; von ihm an sollt ihr die Monate des Jahres zählen. 3 Sprecht zu der ganzen Gemeinde Israels: Am zehnten Tage dieses Passahfest = jüdisches Fest zum Gedenken an den Auszug aus Ägypten
Monats nehme sich jeder ein Lamm, nach der Zahl der Familien, je ein Lamm für eine Haushaltung. 4 Wenn aber für ein Lamm in einem Hause zu wenige sind, so nehme er es zusammen mit dem Nachbar, der zunächst bei seinem Hause wohnt, nach der Zahl der Seelen; so viele, als nötig sind, ein Lamm aufzuessen, sollt ihr auf das Lamm rechnen. 5 Ein fehlloses, männliches, einjähriges Lamm soll es sein; aus den Schafen oder Ziegen sollt ihr es nehmen. 6 Und ihr sollt es aufbehalten bis zum vierzehnten Tage dieses Monats; dann soll die ganze Gemeinde Israels es schlachten um die Abendzeit. 7 Und sie sollen von dem Blute nehmen und die beiden Türpfosten und die Oberschwelle an den Häusern, in denen sie essen, damit bestreichen, 8 das Fleisch aber sollen sie in derselben Nacht noch essen; am Feuer gebraten sollen sie es essen, und ungesäuertes Brot mit bitteren Kräutern dazu. 9 Ihr sollt nichts davon roh essen, oder im Wasser gesotten, sondern am Feuer gebraten, den Kopf mitsamt den Schenkeln und den innern Teilen. 10 Und ihr sollt davon nichts übriglassen bis zum Morgen. Was aber bis zum Morgen davon übrig bleibt, sollt ihr verbrennen. 11 So sollt ihr es essen: die Lenden gegürtet, die Schuhe an den Füssen und den Stab in der Hand. Ihr sollt es essen in angstvoller Eile; ein Passa für den Herrn ist es. 12 Und ich werde in derselben Nacht durch das Land Aegypten schreiten und alle Erstgeburt im Lande Aegypten erschlagen, von den Menschen sowohl als vom Vieh, und an allen Göttern der Aegypter werde ich ein Strafgericht vollstrecken, Ich der Herr. 13 Und das Blut soll ein Schutzzeichen für euch sein an den Häusern, in denen ihr seid: wenn ich das Blut sehe, werde ich an euch vorübergehen, und kein Schlag soll euch vernichtend treffen, wenn ich das Land Aegypten schlage. 14 Und dieser Tag soll für euch ein Gedenktag werden, und ihr sollt ihn feiern als ein Fest des Herrn; von Geschlecht zu Geschlecht, als ewige Ordnung, sollt ihr ihn feiern......usw.
29 und es begab sich um Mitternacht, da schlug der Herr alle Erstgeburt im Lande Aegypten, vom Erstgeborenen des Pharao, der auf seinem Throne sass, bis zum Erstgeborenen des Gefangenen, der im Kerker lag, und alle Erstgeburt des Viehs.

Wie unerbittlich, grausam, gnadenlos und rachsüchtig ist dieses Gottesbild. Der Gegner wird ersäuft bis zum letzten Mann. Eine ganze Armee wird ausgelöscht und zwar Mensch und Tier inklusive. Es gibt keine Gewichtung zwischen Gerechten und Ungerechten, sondern eine Unterscheidung zwischen Völkern oder Religionen.

Diesen gewiss nicht göttlichen Rassismus hat es über alle Jahrtausende und stark ausgeprägt auch im 20. Jahrhundert gegeben, nur standen diesmal die Israeliten auf der unglücklichen Seite. Mir wurde gelehrt, dass Gott der alleinige Schöpfer der Welt ist und alle Geschöpfe von ihm geschaffen wurden. Warum aber ist Gott so parteiisch zu seinen eigenen Geschöpfen? Warum hat er sie erst erschaffen, um sie dann unter Qualen sterben zu lassen? Alle monotheistischen Religionen sagen: "Gott ist allmächtig und allwissend."

Wenn Gott aber allwissend ist, warum mussten eigentlich die Häuser von den Israeliten gekennzeichnet werden? Hochinteressant ist auch, dass Gott der Schöpfer aller Gestirne - es gibt mehr Sonnen im Universum als Sandkörnchen auf der Erde - noch die Zeit findet, ganz genaue Angaben betreffend der Verpflegung abzugeben. Die Israeliten sollten ein Lamm vom Schaf oder Ziege essen, am Feuer gebraten, ja nicht gekocht, das Brot sollte ungesäuert sein mit bitteren Kräutern dazu.

Stellen sie sich mal die Freude der Presse vor, wenn durch Indiskretion bekannt würde, die Verwaltungsratspräsidenten von General Motors, BP oder Nestlé erteilten den ihnen direkt unterstellten Kader nicht nur berufliche Anweisungen, sondern genaueste Vorschläge zur Mittagsverpflegung. Die Regenbogenpresse würde vor Begeisterung kreischen. Die drei oben zitierten Wirtschaftsbosse sind mit mir sicher einig, zwischen ihnen und Gott besteht noch ein ganz mächtiger Unterschied. Hier geht es darum, dem Leser an diesem läppischen aber konkreten Beispiel aufzuzeigen, wie mickrig und unbedeutend, ja idiotisch die Gestalt Gottes im Alten Testament dargestellt wird. Die Schreiber des Alten Testamentes haben von der wahren Grösse Gottes gar nichts, aber auch wirklich gar nichts begriffen.

Als Lektüre zur Geistesbildung oder Schaffung eines wahren Gottesbildes darf das Alte Testament auf keinen Fall herhalten. Denn Gott ist nicht eine so miese Ratte und parteiische Figur, wie im Alten Testament geschildert. Das Alte Testament ist zweifelsohne ein hoch interessantes Dokument zum Studium der Geschichte alter Kulturen im Nahen Osten von Sumer bis Ägypten und in den Mittelmeerraum. Mit grösster Wahrscheinlichkeit stammt das Alte Testament aus dem Landstrich Asir: der westliche Küstenstreifen von Saudi-Arabien, ans Rote Meer und an den Jemen angrenzend.

Vielleicht finden wir im Alten Testament auch einige der ältesten und umfassendsten schriftlichen Aufzeichnung von Kontakten und Interaktionen zwischen Ausserirdischen und Menschen. Nur schon aus diesem Grunde wird das Alte Testament für die ganze Menschheit weiterhin seine Bedeutung behalten. Es weist eventuell auf ausserirdische Technologien hin, die wir erst jetzt im Begriff sind, ansatzweise zu verstehen.

Würde heute ein Schriftsteller in Mitteleuropa die fünf Bücher Mose, oder die Genesis schreiben, also genau mit der Seite Eins des Alten Testamentes beginnen, so würde er mit Bestimmtheit keinen Verleger finden. Er liefe aber gewaltig Gefahr, als nicht zurechnungsfähig oder besessen erklärt zu werden. Für gewisse Texte des Alten Testamentes erhielte der Autor mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, bei voller geistigen Zurechnungsfähigkeit, wegen öffentlichen Aufruf zum Rassenhass, Propagierung zum Völkermord und öffentliche Diffamierung der Frau eine Zuchthausstafe aufgebrummt. Unsere Pastoren und Priester dürfen noch immer ungestraft, diesen Unsinn den unschuldigen Kindern erzählen!


Wohin führt die Zukunft?

Die Aufforderung der Genesis an alle Gläubigen:" Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan, und herrschet über die Fische im Meer und die Vögel des Himmels, über das Vieh und alle Tiere, die auf der Erde sich regen" wurde zwischenzeitlich sehr eifrig befolgt. Derart gut, dass wir Erdenbürger heute vor der imminenten Gefahr eines ökologischen Kollapses stehen.

Die Genesis wurde wie mir scheint, nicht von allen ganz richtig verstanden. Anstatt "seid fruchtbar und mehret euch" gilt der Leitsatz: "Seid furchtbar und mehret euch:". Die Erde, ihre Bodenschätze und deren Geschöpfe werden mit konstanter Brutalität ausgebeutet und Eigeninteressen schamlos durchgesetzt. Umdenken ist angesagt und zwar für alle. Wenn wir untergehen, dann gibt es keine Selektion nach reich oder arm, dann heisst es: "Wir beissen alle in den sauren Apfel". Denn eines sollte auch dem Belämmersten klar sein, wir sitzen alle im selben Boot.

Der Prozess des Umdenkens ist überfällig. Es gibt auch heute noch viel zu viele unkritische Gläubige, die im Brustton der absoluten Überzeugung sagen: "Die Bibel ist das Buch der Bücher" und jede Kritik strikte ablehnen. Weicht ein Lehrer oder Pfarrer nur ein bisschen von der offiziellen Lehrmeinung ab, riskiert er seinen Ruf und Stellung. Diese Fundamentalisten behaupten und glauben, jede Kritik an der Bibel sei Gotteslästerung. Diese sture Haltung trifft genauso auf den Islam und das Judentum zu, da der allein-seligmachende-Anspruch von allen drei monotheistischen Religionen erhoben wird.

Die Schöpfung hat gottlob uns allen einen Verstand und eine Seele gegeben. Ein jeder kann selbst denken und eigene Schlüsse ziehen. Wir alle haben die Wahl der freien Entscheidung. Der Verstand ist ein Geschenk Gottes, den wir wirklich zu unserem Wohle auch anwenden sollten. Die Probleme des aufkommenden Dritten Jahrtausends können nicht mit Indoktrinationen und der mehrtausendjährigen konfusen und gewalttätigen Heilslehre eines Wüstenvolkes aus dem Nahen Osaten gelöst werden. Dies gilt für alle drei "Hochreligionen", die aus dem Nahen Osten stammen. Eine Region, die in keiner Art und Weise als Vorbild des menschlichen Zusammenlebens dient, sondern eher als Schandfleck der gelebten Intoleranz gilt.

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